| Werdegang |
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Im Jahre 1998 kamen wir zu unserem ersten Islandpferd, unserem Sleipnir. Er war gerade eingeritten und unsere Tochter Freya hatte die ersten Voltegier- und Reitstunden auf einem Shettlandpony hinter sich. Ute, die Mutter von Freya, ritt vor 20 Jahren eine Oldenburger Stute, die sie aber wegen Rückenproblemen schweren Herzens verkaufen mußte. Rolf, der Ehemann von Ute und Freya's Vater hatte in früher Jugend ein paar Reitstunden (war also schon lange her). Sleipnir sollte eigentlich nur während des Urlaub's seiner Besitzerin bei uns "gehütet" werden. Mutter und Tochter freuten sich, endlich ein "eigenes" Pferd, Rolf war eher "gnatterich", denn Frau und Tochter glänzten meistens durch häusliche Abwesenheit - sie waren beim Pferd. Ute war schon von Kind an ein Pferdenarr. Jedesmal wenn sie Isländer unter dem Sattel oder auf der Weide sah, wurden die Augen groß und glänzend. Nun war es so weit, der Isländer war da und damit auch der Tölt - dachten alle. Aber weit gefehlt, Sleipnir war zwar von einem Profi eingeritten worden, ging aber trotzdem nur einen zum Pass verschobenen Schritt, Schweinepass, Traben konnte er auch nicht. Es mußte ein Trainer her, was eine ziemliche Herausforderung darstellte, da wir keinen Hänger hatten und auch keine Ahnung wo es so einen Menschen gab. Freya war glücklich, denn auf dem Hof, auf dem Sleipnir sein zu Hause hatte, waren viele Kinder und somit waren die Nachmittage ohne Langeweile ausgefüllt. Ute besann sich auf das was sie reiterlich konnte, nämlich ein Pferd zu gymnastizieren um damit zur Losgelassenheit und zum Takt zu kommen. Warum sollte sich diese Arbeit bei einem Islandpferd anders sein als bei einem Warmblüter. Gesagt, getan und nach 2 Monaten fing Sleipnir auf einmal an zu traben, zwar noch holperich - aber immerhin. Die Besitzerin war natürlich schon lange aus dem Urlaub zurück, aber wir sollten Sleipnir noch weiter behalten. Alle freuten sich, auch Rolf hat inzwischen gefallen daran gefunden und sich ab und zu auf den Pferderücken geschwungen. Lange Rede kurzer Sinn, nach einem weiteren halben Jahr kauften wir Sleipnir, somit hatte unsere Familie zuwachs bekommen. Es war ja vollkommen ungefährlich, als Wallach konnte er sich nicht vermehren - dachten wir damals -. Ein Pferdehänger wurde angeschafft, eine neue Bleibe mit schönen Ausreitgelände gesucht und gefunden. Inzwischen konnte Sleipnir nicht nur einen taktklaren Schritt gehen und taktvoll traben, er konnte ebenso schön tölten! Von nun an fuhren wir zu Reitlehrgängen und eine Trainerin kam zu uns auf den Hof. Häufig war alles eher verwirrend und unbefriedigend, weil Ute es nicht gewohnt war, so viel mit der Hand am Pferdemaul tätig zu sein. Diese Phase hielt recht lange an, aber es war die schwierigste Aufgabe Trainer zu finden, die die Losgelassenheit und den Takt in den Vordergrund stellten. Es war genauso schwierig Trainer zu finden, die in der Lage waren, guten Dressur- und Springunterricht für Islandpferde zu geben. Wir verstanden es nicht, warum so viele Islandpferde mit einer absoluten Aufrichtung und starken Unterhals laufen mußten. Die Erklärung, dass sie so nun einmal gehen, konnten wir nicht nachvollziehen. Auf einem Fachvortrag mit dem Thema "Funktionelle Anatomie - Lahmheiten durch reiterliche Einwirkungen" von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann kamer wir stark ins "grübeln" und stellten nicht nur unsere eigene Reitweise auf den Prüfstein, sondern legten die Maßlatte auch bei den Trainern an, bei denen wir Unterricht hatten. Von der oberen und unteren Verspannung (Nachken- und Rückenband) hatten wir noch nie etwas gehört. Das das Pferd sein Gewicht und das Reitergewicht mit dieser Verspannung und der Halsmuskulatur trägt wußten wir ebenfalls nicht. Genauso wenig wußten wir, das der lange Rückenmuskel kein Haltemuskel sondern ein Bewegungsmuskel ist. Aber auch für die Trainer waren diese Erkenntnisse Neuland. Es wurde in der Ausbildung nicht vermittelt. Mit Simone Reiter haben wir eine Trainerin gefunden, die diese Thematik beherrscht und vermitteln kann, sehr zum Wohle unserer Pferd und uns. Die jungen und alten Remonten (1. und 2. Ausbildungsjahr) werden schonend geritten. Es werden in der ersten Zeit nur kurze Trainingseinheiten von 5 - 10 Minuten geritten. Dabei werden sie vorwärts in Dehnungshaltung geritten. Der Reiter befindet sich im Entlastungssitz. Durch die Dehnungshaltung spannt sich das Nacken- und Rückenband, der lange Rückenmuskel kann frei schweben, die Hinterhand kann unter dem Schwerpunkt treten, der Rücken wölbt sich auf. Zu diesem Zeitpunkt ist die Halsmuskulatur noch nicht so weit gekräftigt, als das sie diese Arbeit mit übernehmen kann. Das Pferd muß sich vertrauensvoll an die Reiterhand hindehnen, der Reiter muß die Anlehnung annehmen. Wir konnten feststellen, dass die Pferde sich wohler fühlen. Sie sind leistungsbereit, haben Freude am laufen und sind wunderbar leicht in der Hand - einfach ein Genuß für alle Beteiligten. Unter "Berichte" werden Sie in Kürze noch mehr über die Arbeit von Simone Reiter und Dr. Gerd Heuschmann erfahren. |